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- Die Einleitung (1)
- Die ersten Jahre (1)
Archiv der Kategorie Die ersten Jahre
3.12.2007 by Taipan.
Tja, wie sagt man? Aller Anfang ist schwer.
Nun will ich also jenen Anfang wagen und denke zurück.
Was jetzt vor meinem geistigen Auge erscheint ist eine kurze Szene in meiner frühesten Kindheit. Es ist schon seltsam, dass ausgerechnet diese Erinnerung auftaucht, wo meine Kindheit und ein Großteil meiner Jugend doch so tief von mir begraben wurden.
Ich sehe vor meinem geistigen Auge mich als kleinen Jungen im Hof meiner Grundschule. Nachdem mich meine Mitschüler wiedereinmal gehänselt hatten und ich mit aller Gewalt die Tränen zurückhielt wollte ich zurück in die Klasse. Im Eingang stand ein Junge aus der Parallelklasse und ließ mich nicht durch. Ich weiß noch, dass es dieser Junge war, welchen ich unbedingt als Freund haben wollte. Damals dachte ich es wäre toll, wenn er mein Bruder wäre.
Mein Bruder, besser gesagt mein Stiefbruder, war nämlich schon ausgezogen und ich war so allein.
Wenn ich mir heute diesen Jungen wieder vorstelle, dann sehe ich einen Blondschopf mit unheimlich blauen Augen. Das war’s dann auch schon.
Dann versinkt die Erinnerung wieder in die Tiefe aus welcher sie hervor stürzte.
War dies ein Schlüsselerlebnis?
Seit jener Zeit bin ich den Farben Blond und Blau verfallen. Obwohl ich mit aller Deutlichkeit sagen muss, dass ich zu dieser Zeit natürlich noch nicht wusste, dass ich schwul war. Ich merkte zwar, dass ich anders war. Irgendetwas war anders als bei meinen Klassenkameraden. Ich war viel empfindlicher als diese. Nicht, dass ich eine Heulsuse war. Zumindest nicht nach Außen. Nein, die Tränen flossen alle in meinem Innern.
Wenn ich heute an diesen Augenblick zurückdenke glaube ich, dass ich mich damals in jenen Jungen verliebt hatte. Doch diese Gefühle konnte ich natürlich zu jener Zeit noch nicht einordnen. Ich wünschte ihn mir als Bruder. Heute würde ich sagen als Schwester. Oder?
Doch im Ernst. Damals, so um 1969, der erste Mensch war gerade auf dem Mond gelandet und ich fragte mich…warum??…, wurde über so etwas natürlich nicht gesprochen. Gefühle für einen anderen Jungen? Undenkbar. Also, träumte ich davon, dass er mein Bruder wäre mit dem ich so viel unternehmen könnte. Ich schottete mich ab, zog mich in mich zurück und… träumte.
Das tat ich übrigens immer. Zu Hause oder in der Schule.
Nach den Schularbeiten ging ich in mein Zimmer, was das Wohnzimmer war, weil meine Eltern kein Geld für eine größere Wohnung hatten, und spielte… alleine. Ich versetzte mich in eine Traumwelt, in welcher ich gebraucht und geliebt wurde, in der ich der Held war und wollte von der Realität die mich doch so schmerzlich umgab, nichts hören und sehen.
Aber ich hörte sie doch, die Streitereien, die meine Eltern austrugen. Das Klatschen, wenn mein Vater, den ich seit meiner Geburt bis aufs Tiefste hasste, meine Mutter, die ich seit meiner Geburt doch so sehr liebte, deftig schlug. Und dann die Stille, wenn meine Mutter ins Schlafzimmer geflüchtet war und die Tür hinter sich abgeschlossen hatte. Und ich hörte auch das Schluchzen meiner Mutter und fragte mich, warum erschlägt sie diesen Mistkerl nicht.
So vergingen die Jahre meiner Kindheit… und die anderen waren auch nicht besser.
Das letzte Jahr in der Hauptschule begann und ich wusste zum damaligen Zeitpunkt, dass ich mit Mädchen nichts anfangen konnte und wollte. Ich stand auf Jungs.
Aber es war nicht so, dass mich das in tiefe Depressionen stürzte. Nein. Für mich war das eigentlich normal. Ich kannte es nicht anders. Und ich fragte mich tagtäglich, warum ich es allen anderen nicht sagen konnte, ja nicht durfte. Natürlich hatte ich von meiner Umgebung mitbekommen, dass die Schwulen alle Aussätzige sind, krank und abartig.
Aber ich? Ich war weder krank, noch abartig noch aussätzig. Lepra hatte ich auch nicht. Also, getreu nach dem Muster, wenn mich die Realität nicht will, für was gibt es die Phantasie?
Doch dann trat jemand in mein Leben. Aus einem Klassenkameraden wurde ein Freund. Mein bester Freund. Ich verleibte mich in ihn. Wie sollte es auch anders sein.
Leider war er aus einem Nachbarort, welches ein paar Kilometer weit weg war. Da ich kein Mofa besaß, was für dir damalige Zeit eigentlich ein Muss war, und zu faul um mit dem Fahrrad 11 km weit zu fahren, blieb mir nur die Zeit in der Schule mit ihm.
Wenn ich nach Hause kam, ging ich in mein Zimmer, und es war Trotz eines mittlerweile geschehenen Umzugs immer noch das Wohnzimmer (meine Eltern bildeten sich immer noch ein, dass sie sich keine drei Zimmer Wohnung leisten konnten), legte mich auf das S0fa, hörte Musik und wartete sehnsüchtig, dass ich bald wieder in die Schule gehen konnte. Nicht um zu lernen wohlgemerkt, sondern um in seiner Nähe zu sein.
Dann kam der Tag als er eine Klassenkameradin zur festen Freundin haben wollte.
Er hatte sich verliebt und es schnitt wie ein glühendes Messer in mein junges Herz, dass nicht ich es war, in den er sich verliebt hatte.
Ich sollte vermitteln.
Natürlich hatte ich mir nie anmerken lassen, was ich für ihn empfand. Er dachte, dass ich sein bester Freund war, in allen Ehren natürlich.
Also, biss ich die Zähne zusammen und mit einem leisen Fluch auf den Lippen tat ich, was er verlangte.
Natürlich hatte ich Erfolg. Diese blöde Schlampe mochte Ihn auch (was ich ihr bis heute nie verziehen habe), und so waren die beiden bald ein Paar und ich das sprichwörtliche 5te Rad am Wagen.
Aber siehe da, die große Liebe zwischen den Beiden dauerte nicht all zu lange. Ein paar Monate und dann war Schluss. Das war die Zeit, in der ich eine neue Seite an mir kennen lernte. Ich konnte gut intrigieren.
Ich sollte zum Beispiel, wie früher üblich (Handys mit SMS Funktion gab es damals noch nicht) kleine, schriftliche Nachrichten überbringen. Sogenannte Briefchen. Das tat ich natürlich. Ab und zu.
Dann redete ich Ihm ein, dass sie weder mit ihm reden noch mit ihm in irgend einer Weise verkehren wollte.
Er wendete sich von ihr vollends ab, nachdem ich ihm gesteckt hatte, dass ich sie mit einem Anderen Arm in Arm gesehen hätte. Da er vollkommen in dem Glauben war, dass ich für Ihn nur das Beste wollte (was ich natürlich für ihn auch wollte, nur nicht, dass er mit seiner Ex wieder zusammen kam) vertraute er mir in dieser Sache voll und ganz.
Und ich hatte ihn wieder ganz für mich allein. Zumindest in der Schule.
Daran erkennt der Leser vielleicht, dass ich mich immer nur auf eine Person konzentrieren konnte. Also, wenn ich jemanden mochte oder sogar liebte, durfte niemand Anderes in diese innige Zweisamkeit eindringen. Sobald eine dritte Person hinzukam, zog ich mich sofort zurück. Eine Eigenschaft, welche in krankhafter Eifersucht mündete und mich noch viele Jahre begleiten sollte.
Kurz vor Ende des letzten Schuljahres hielt ich es dann nicht mehr aus und gestand meinem besten und alleinigen Freund meine tiefe und große Liebe zu ihm.
Ein Fiasko……………
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